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Wohnen und Pflegen in der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH

Japanische Delegation zu Gast im St. Nikolaus

Japanische Besucher lernen deutsche Ansätze und Modelle aus Seniorenbereich kennen; Pflegemodell nach Böhm und Schwerpunktpflege Schlaganfall stehen im Mittelpunkt.

12.10.2017
Japanische Delegation zu Gast im Malteserstift St. Nikolaus, Duisburg-Ruhrort

Duisburg-Ruhrort. Eine Delegation von neun Japanern war am Mittwoch, 11. Oktober zu Gast im Malteserstift St. Nikolaus. Sie besuchten allerdings keine Landsleute. Ihr Interese galt vielmehr dem Haus im Allgemeinen und dem Demenz- und dem Schlaganfallbereich im Besonderen.

Hintergrund ist Folgender: Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung in Japan und der damit einhergehenden steigenden Zahl von pflegebedürftigen und demenzkranken Menschen, steht auch die japanische Regierung vor der Herausforderung, Lösungen zu finden, wie alle Senioren – die körperlich und geistig fit gebliebenen ebenso wie Senioren mit Beeinträchtigungen – besser in der Gesellschaft integriert werden können. Dazu hat die Regierung den Auftrag gegeben, Austauschreisen zu organisieren, bei denen junge Japaner, die im Seniorenbereich arbeiten, mit Fachleuten dieses Bereichs aus anderen Ländern in Kontakt kommen und neue erfolgsversprechende Ansätze und Modelle kennen lernen sollen.

In Deutschland hat man sich mit diesem Anliegen an die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit gewandt, die in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein umfassendes Programm für die neuntägige Reise der japanischen Delegation zusammengestellt hat. Neben einem Besuch im Ministerium in Berlin und bei der BAGSO in Bonn, stehen ein Besuch eines Mehrgenerationenhauses, ein Besuch beim Zentrum für Qualität in der Pflege, beim Kompetenzzentrum Demenz für das Land Brandenburg und bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft auf dem Plan, ebenso wie eine Diskussionsrunde mit Vertretern von Organisationen, die sich beispielsweise mit der Vermittlung von Seniorenjobs beschäftigen, und nicht zuletzt Besuche in Wohn- und Pflegeheimen.
Dass die BAGSO und das Familienministerium für diese Besuche eine Einrichtung der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH ausgewählt haben, ist kein Zufall. Denn die Malteserstifte haben in der Betreuung demenziell veränderter Menschen erfolgreich neue Wege beschritten: Seit mehreren Jahren arbeiten sie nach dem psychobiografischen Pflegemodell nach Professor Erwin Böhm. Kerngedanke des Modells ist, dass sich Demenzkranke in einer Rückwärtsentwicklung vom Erwachsenen zum Kind befinden und dies nicht nur die Erinnerungs-, sondern auch die Gefühlswelt betrifft. Auf diesen Entwicklungsstand müssen sich die Betreuer und Pfleger einstellen. Außerdem setzen sie sich intensiv mit der Biographie der Bewohner auseinander, um zuerfahren, was die Bewohner geprägt hat, wie sie erzogen wurden, was für sie Alltagsnormalität und was typisch für ihr Zuhause war. „Danach richten wir dann unser Verhalten, den Wohnbereich und den Tagesablauf des Bewohners aus“, erklärt Marc Strobel, Leiter des Malteserstift St. Nikolaus. Das zeigt positive Wirkung: Im St. Nikolaus wird kein Demenzkranker mehr fixiert, die Tendenzen ,„nach Hause“ zu laufen, haben stark abgenommen, der Demenzbereich ist für alle frei zugänglich und kann von jedem jederzeit verlassen werden und das alles bei einer starken Reduzierung der medikamentösen Behandlung der Demenz und auch einer deutlichen Entlastung der Mitarbeiter.

Auch im Bereich Schlaganfallpflege wurden neue Wege beschritten. So werdenden betroffenen Bewohnern zahlreiche Therapiemaßnahmen direkt im Wohnbereich angeboten, die Angehörigen werden in die Pflege mit einbezogen und es wird alles unternommen, um im Alltag gezielte Anregungen zu geben, damit sich auch nach der Rehabilitationsphase Funktionsstörungen zurückbilden und eine stete Verbesserung der Lebenssituation erzielt wird.

Diese Ansätze wurden nun den japanischen Gästen bei ihrem  gut dreistündigen Besuch erläutert und gezeigt. Nach einer Vorstellung der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH und des Malteserstift St. Nikolaus wurde die Delegation durch das Haus geführt. Insbesondere der Demenzbereich und der Schlaganfallbereich wurden dabei vorgestellt und detailliert erläutert. Zur Hilfe stand den Gastgebern und den Besuchern dabei eine Dolmetscherin, die dafür Sorge getragen hat, dass alle Fragen und Erklärungen sofort übersetzt wurden, so dass es keine Reibungsverluste durch Sprachschwierigkeiten gab.

Für die japanischen Gäste ging es im Anschluss weiter nach Düsseldorf und Bonn bevor sie am 17. Oktober mit neuen Ideen und Modellen im Kopf und viel Informationsmaterial im Gepäck die Heimreise antreten.

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