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Wohnen und Pflegen in der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH

Kneipe in Senioreneinrichtung: In der Zechen-Schänke auf alte Zeiten anstoßen

Im Malteserstift St. Bonifatius hat Essens erste Kneipe in einer Seniorenpflegeeinrichtung eröffnet. Gestaltet im Stil der 1950er und 1960er Jahre, scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein – womit die Zechen-Schänke einem speziellen Demenzkonzept entspricht.

26.07.2018
In der Zechen-Schänke des Malteserstift St. Bonifatius, eingerichtet im Stil der 1950er und 1960er Jahre, können Bewohnern in einer ihnen vertrauten Umgebung ein Pils genießen.
Annelise Binias, 81 Jahre alt, versucht ihr Glück am Spielautomaten. Die D-Mark Münzen dafür bekommt sie von den Mitarbeitern des Wohnbereichs „Zeche Zollverein“.

Essen. An der Wand hängen alte DAB-Plakate, der Spielautomat in der Ecke nimmt nur D-Mark Münzen an, selbst die Gläser und Bierdeckel in der Zechen-Schänke stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Seit der Eröffnung im März verbringen die Bewohner des Wohnbereichs, der passenderweise „Zeche Zollverein“ heißt, regelmäßig gemeinsame Stunden in der historisch eingerichteten Kneipe des Malteserstift St. Bonifatius. 

Demenzkonzept nach Prof. Erwin Böhm nutzt Ruhrpott-Nostalgie
„Natürlich freuen wir uns, den Bewohnern mit der Zechen-Schänke einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, aber die Kneipe ist vor allem im Hinblick auf unsere Demenzarbeit ein großer Gewinn", sagt Hausleiter Ulf Wolters und berichtet von dem Pflegemodell nach Prof. Erwin Böhm. Nach diesem speziellen Demenzkonzept können demenziell veränderte Menschen ihren Alltag am besten bestreiten, wenn die Umgebung und das soziale Umfeld für sie gewohnt und bekannt gestaltet sind. „So fühlen Sie sich bei uns in ihrer Welt ein Stück zu Hause“, erklärt Wolters weiter. „Zeche Zollverein“ im Malteserstift St. Bonifatius ist ein geschützter Wohnbereich, auf dem ausschließlich Bewohner mit Demenz leben. Der gesamte Wohnbereich ist nach dem Böhm-Konzept eingerichtet: In einer Nische zeigen Schwarz-Weiß-Fotos Alltagssituationen und Familienbilder aus vergangenen Zeiten. Auch viele Einrichtungsgegenstände wie die rustikale Kommode und die Nähmaschine im Flur stammen aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Pflegekräfte, Mitarbeiter aus dem sozialen Dienst und Alltagsbegleiter auf dem Wohnbereich haben eine Weiterbildung nach dem Böhm-Modell abgeschlossen. Sie sind bestens darin geschult, den Alltag der demenziell veränderten Bewohner so zu gestalten, dass er ihren Bedürfnissen entspricht.

Theater und Philharmonie Essen und Brauerei-Museum Dortmund haben Requisiten gestellt
Dass die Idee einer urigen Kneipe in die Tat umgesetzt werden konnte, ist dem Engagement vieler Mitarbeiter und Unterstützer zu verdanken. So hat das Essener Theater und die Philharmonie viele der Möbelstücke gespendet, die originalen DAB- und Stern-Biergläser stammen aus dem Bestand des Brauerei-Museums Dortmund.

Zechen-Schänke findet auch bei Bewohnern anderer Wohnbereiche großen Anklang
Ein- bis zweimal im Monat öffnet die Zechen-Schänke auch für Bewohner anderer Wohnbereiche ihre Türen. „Es ist toll, sich ab und zu in einer Kneipe, wie ich sie aus meiner Jugend kenne, auf ein kühles Pils zu treffen“, betont Günter Schwerdtfeger, 83 Jahre alt und seit fast acht Jahren Bewohner auf dem Wohnbereich „Grugapark“. „Dafür in die Stadt zu gehen, wäre für viele von uns gar nicht möglich." Auf der Karte steht neben Bier und alkoholfreien Getränken natürlich auch die Kokoschinski Ruhrpott Plörre. „Und das beste an der Zechen-Schänke“, berichtet Schwerdtfeger lachend: „Die Getränke gehen aufs Haus."

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